top of page

Bewegung und Training nach Herzinfarkt – warum Aktivität ein zentraler Teil der Erholung ist


Nach einem Herzinfarkt steht für viele Betroffene zunächst eines im Vordergrund: Schonung. Die Angst, das Herz erneut zu belasten, führt häufig dazu, dass Bewegung vermieden wird. Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist genau das jedoch langfristig problematisch.


Große Übersichtsarbeiten zeigen, dass strukturiertes Training nach einem Herzinfarkt nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert, sondern auch die kardiovaskuläre Mortalität signifikant senken kann. Eine Cochrane-Analyse von Anderson et al. (2016) beschreibt, dass bewegungsbasierte kardiale Rehabilitation mit einer Reduktion der Gesamtsterblichkeit und weniger Krankenhausaufenthalten verbunden ist.

Entsprechend empfehlen die Leitlinien der European Society of Cardiology körperliches Training als festen Bestandteil der Sekundärprävention nach Myokardinfarkt (Ibanez et al., 2018).



Doch was passiert dabei im Körper?


Regelmäßige Bewegung führt zu positiven Anpassungen im Herz-Kreislauf-System: Die Sauerstoffaufnahme verbessert sich, die periphere Durchblutung nimmt zu und die Belastungstoleranz steigt. Gleichzeitig wirken sich Trainingseinheiten günstig auf Blutdruck, Lipidprofil und Glukosestoffwechsel aus – alles entscheidende Faktoren für die langfristige Prognose (Piepoli et al., 2020).


Neben diesen physiologischen Effekten spielt auch der psychologische Aspekt eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass körperliche Aktivität nach einem Herzinfarkt Angst reduziert und das Vertrauen in den eigenen Körper stärkt (Taylor et al., 2004).

Wichtig ist dabei nicht ein schneller Wiedereinstieg mit hoher Intensität, sondern ein individuell gesteuerter Trainingsaufbau. In der Regel beginnt dieser mit niedrig bis moderat intensiven Ausdauerbelastungen, ergänzt durch leichtes Krafttraining, sobald die medizinische Situation stabil ist.


Aus sportwissenschaftlicher Sicht bedeutet das: Training nach Herzinfarkt sollte strukturiert, progressiv und an die persönliche Belastbarkeit angepasst sein – idealerweise in enger Abstimmung mit der behandelnden Kardiologie.


Fazit

Gezielte Bewegung ist kein Risiko, sondern ein zentraler Bestandteil der Erholung nach einem Herzinfarkt. Individuell angepasstes Kraft- und Ausdauertraining kann helfen, Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen und das Risiko weiterer kardiovaskulärer Ereignisse zu reduzieren.



Literatur

Anderson L et al.Exercise-based cardiac rehabilitation for coronary heart disease. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2016.

Ibanez B et al.2017 ESC Guidelines for the management of acute myocardial infarction. European Heart Journal. 2018.

Piepoli MF et al.2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease. European Heart Journal. 2020.

Taylor RS et al.Impact of cardiac rehabilitation on mortality and morbidity. American Journal of Medicine. 2004.

 
 
 

Kommentare


Melissa Tscherne, MSc

Trainingstherapeutin

Sport- und Bewegungswissenschafterin

+43 (0) 676 3686451

8334 Riegersburg, Österreich

Bleiben Sie informiert,
abonnieren Sie unseren Newsletter

Vielen Dank für Ihr Abonnement!

bottom of page