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Training nach Herzmuskelentzündung – warum Geduld der wichtigste Trainingsfaktor ist


Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während Bewegung bei vielen kardiovaskulären Diagnosen ausdrücklich empfohlen wird, steht hier zunächst etwas anderes im Vordergrund: konsequente Schonung.


Internationale Leitlinien empfehlen nach einer Myokarditis eine vollständige Sportpause über mehrere Monate, gefolgt von einer sorgfältig abgeklärten Rückkehr zur körperlichen Aktivität (Pelliccia et al., 2020). Diese Empfehlung basiert auf der Erkenntnis, dass körperliche Belastung während oder unmittelbar nach einer Entzündung das Risiko für schwerwiegende kardiale Komplikationen erhöhen kann (Caforio et al., 2013).

Erst wenn Entzündungsparameter, Herzfunktion und Rhythmus stabil sind, sollte Bewegung wieder aufgenommen werden.



Doch was passiert danach?


Nach medizinischer Freigabe kann gezielte körperliche Aktivität helfen, die durch die Inaktivitätsphase verlorene Leistungsfähigkeit langsam wieder aufzubauen. Niedrig intensive Ausdauerbelastungen bilden dabei meist den Einstieg, bevor Krafttraining schrittweise integriert wird. Entscheidend ist ein progressiver Trainingsaufbau mit klarer Struktur und ausreichend Regenerationszeit.


Die ESC-Leitlinien zur Sportkardiologie betonen, dass der Wiedereinstieg nach Myokarditis immer individuell erfolgen sollte und eng an die klinische Entwicklung gekoppelt ist (Piepoli et al., 2020).

Aus sportwissenschaftlicher Sicht bedeutet das: Nicht die Geschwindigkeit des Trainingsaufbaus ist entscheidend, sondern dessen Qualität. Eine zu frühe oder zu intensive Belastung kann Rückschritte verursachen, während ein behutsam gesteuertes Training langfristig zu stabiler Belastbarkeit führt.


Fazit

Nach einer Herzmuskelentzündung ist Geduld ein zentraler Bestandteil des Trainingsprozesses. Ein individuell abgestimmter, fachlich begleiteter Wiedereinstieg unterstützt die sichere Rückkehr zu Bewegung und Alltag.



Literatur

Pelliccia A et al.2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease. European Heart Journal. 2020.

Caforio ALP et al.Current state of knowledge on aetiology, diagnosis, management, and therapy of myocarditis. European Heart Journal. 2013.

Piepoli MF et al.2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease. European Heart Journal. 2020.

 
 
 

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Melissa Tscherne, MSc

Trainingstherapeutin

Sport- und Bewegungswissenschafterin

+43 (0) 676 3686451

8334 Riegersburg, Österreich

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